Aktuell läuft im Neuen Museum auf der Museumsinsel Berlin die kleine, aber außergewöhnlich spannende Sonderausstellung Schicksal in den Sternen – Die Anfänge des Tierkreises (20. März 2026 – 10. Januar 2027).
Ich habe sie inzwischen bereits drei Mal besucht – und vermutlich wird es nicht dabei bleiben. Mit rund 40 Exponaten ist die Ausstellung zwar überschaubar, erfreut sich aber offenbar großer Beliebtheit: Der reich bebilderte Ausstellungskatalog ist bereits nach kurzer Zeit in die zweite Auflage gegangen.
Wer sich intensiver mit den Ursprüngen des Tierkreises beschäftigen möchte, kann den Katalog direkt über den Shop der Staatlichen Museen zu Berlin bestellen. https://www.smb-webshop.de/epochen/antike/6440/schicksal-in-den-sternen
Zu sehen sind Keilschrifttafeln, Papyri, Münzen, Gemmen und andere Objekte, die eindrucksvoll zeigen, wie sich der Tierkreis in der antiken Welt entwickelte und verbreitete. Die Ausstellung führt von Babylonien über Ägypten bis nach Griechenland und Rom und zeichnet nach, wie aus astronomischen Beobachtungen nach und nach ein astrologisches Weltbild entstand.
Besonders gelungen ist dabei, dass die Ausstellung den Tierkreis nicht nur als astrologisches Symbolsystem zeigt, sondern zugleich als kulturelles, religiöses und wissenschaftliches Phänomen der Antike.
Sie stellt Fragen wie:
- Was genau ist der Tierkreis eigentlich?
- Ein astronomisches Koordinatensystem?
- Ein Mittel zur Vorhersage?
- Ein Ausdruck kosmischer Harmonie?
- Oder eine Projektionsfläche menschlicher Sinnsuche?
Gerade diese Mehrdeutigkeit macht deutlich, warum der Tierkreis Menschen bis heute fasziniert. Der Himmel wurde vermessen, beobachtet und berechnet, um Orientierung zu gewinnen und Hinweise auf zukünftige Entwicklungen zu erhalten.
Die Entwicklung des Tierkreises
Ein babylonischer Schöpfungsmythos berichtet, wie der Gott Marduk die Sterne erschuf und sie in einem himmlischen Kalender anordnete, um die Monate zu markieren.
Gezeigt wird dazu auch eine Tontafel mit einer tabellarischen Version dieses Kalenders, der laut den Kuratoren als Inspiration für die spätere Entwicklung des Tierkreises diente.
Ein weiteres erstaunliches Objekt der Ausstellung ist die berühmte Keilschrifttafel aus dem Textkomplex Mul.Apin (um 750 v. Chr.). Sie zählt 17(!) Sternbilder auf, aus denen sich später die heute bekannten zwölf Tierkreiszeichen entwickelten.
Die 17 Zeichen hießen: Die Borste, der Himmelsstier, der wahre Hirte des Anu, der Alte Mann, der krumme Stab, die Großen Zwillinge, der Krebs, der Löwe, die Furche, die Waage, der Skorpion, Pabilsag, der Ziegenfisch, der Große, die Schwänze der Schwalbe, Anunitum, der Lohnarbeiter.
Der Tierkreis mit den 12 Zeichen, die heute noch gebräuchlich sind, wurde schließlich im 5. Jahrhundert v. Chr. auf 12 Zeichen in 30° Abschnitten festgelegt und verbreitete sich dann im östlichen Mittelmeerraum.
Doch einzelne Tierkreiszeichen waren schon deutlich früher bekannt: Eine eine babylonische Keilschrifttafel mit der ältesten bekannten Erwähnung eines Tierkreiszeichens, dem Skorpion, stammt aus dem 3. Jahrtausend (!) v. Chr.
Spannend ist auch, wie stark sich manche Tierkreiszeichen im Laufe der Zeit verändert haben. Viele Namen blieben zwar im Kern erhalten, andere unterschieden sich ursprünglich jedoch deutlich von den heute bekannten Bezeichnungen.
Der Widder war bei den Babyloniern beispielsweise als „Mietarbeiter“ oder „Schaf“ bekannt, der Stier als „Borste“. Die Jungfrau wurde bereits früh mit einer Kornähre dargestellt, hieß ursprünglich jedoch „Furche“. Bei den Ägyptern erschien sie später als „Edle Dame“. Der Schütze hieße bei den Babyloniern “Pabilsag”, die Fische nannte man “die Schwänze der Schwalbe”.
Auch die Waage durchlief mehrere Entwicklungsstufen: Die Babylonier kannten sie bereits als Waage, die Ägypter bezeichneten sie dagegen als „Horizont“. Die Griechen verwendeten später Begriffe wie „Scheren“ (des Skorpions) oder „Joch“, bevor sich schließlich erneut die babylonische Bezeichnung durchsetzte.
Jahrhundertelang beobachteten die Babylonier systematisch den Himmel und hielten zugleich Wetter, Wasserstände, Marktpreise und politische Ereignisse fest. Dadurch erkannten sie nicht nur regelmäßige Muster in den Bewegungen der Himmelskörper, die sie später berechnen konnten, sondern brachten diese auch mit den Geschehnissen auf der Erde in Verbindung. Auf dieser Grundlage entstand die astrologische Vorhersagekunst.
Der Aszendent und die Entstehung der Häuser
Besonders spannend für astrologisch Interessierte ist die Entwicklung des Aszendenten und der Häuserlehre. Die Ausstellung verdeutlicht, dass der Aszendent offenbar erst in Ägypten in die astrologische Praxis integriert wurde. Ausgehend von ihm entwickelte sich später die Lehre der zwölf Orte (Dodekatropoi), also jener Lebensbereiche, die wir heute als Häuser kennen.
Dabei handelte es sich ursprünglich nicht um komplizierte Häusersysteme, sondern schlicht um die zwölf Tierkreiszeichen, gezählt vom Aszendenten aus – also das, was heute als Ganzzeichenhaussystem bezeichnet wird.
Horoskope auf Tonscherben
Besonders faszinierend sind die erhaltenen frühen Horoskope auf Papyri und Tonscherben, sogenannten Ostraka.
Diese Funde enthalten meist lediglich die Positionen der Planeten, jedoch - bis auf wenige Ausnahmen - keine schriftlichen Deutungen. Vermutlich dienten sie dem Astrologen als Grundlage für die spätere Interpretation.
Zu konkreten Vorhersagen ließen sich die Astrologen wahrscheinlich aus astrologischen Handbüchern inspirieren, in denen typische Deutungen bestimmter Konstellationen zusammengestellt waren.
So findet sich etwa für Venus im sechsten Haus – dem „Haus des Unglücks“ – die Aussage, die betreffende Person werde von „vielen schlechten Gerüchten“ verfolgt. Heute würde man vermutlich von Mobbing sprechen.
Tierkreiszeichen im Alltag
Ebenfalls bemerkenswert ist eine seltene Münzserie des Kaisers Antoninus Pius.
Jedes Tierkreiszeichen erscheint dort zusammen mit seinem Herrscherplaneten auf einer eigenen Drachme.Dabei handelte es sich nicht um Gedenkmünzen, sondern um ganz gewöhnliches Zahlungsmittel des Alltags. Menschen trugen die Tierkreiszeichen also buchstäblich täglich in ihren Geldbeuteln mit sich herum. Eine der Münzen zeigt sogar einen doppelten Tierkreis. Warum, ist bis heute unklar. Die Vermutung, hier seien tropischer und siderischer Tierkreis dargestellt, gilt allerdings als eher unwahrscheinlich, da beide Darstellungen deckungsgleich erscheinen.
In Schmucksteine geritzte Tierkreiszeichen (Gemmen) zeigen, dass astrologischer Schmuck keine moderne Erfindung ist. Bereits in der Antike trug man sein Tierkreiszeichen als Ring oder Amulett am Körper.

Alexandrinische Drachme des Antoninus Pius (144/145 n. Chr.) mit doppeltem Tierkreis. Warum zwei Tierkreise dargestellt wurden, ist bis heute nicht geklärt.
Quelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Public Domain Mark 1.0
Fazit
Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie eng in der Antike Astronomie, Astrologie, Religion, Medizin, Mathematik und Philosophie miteinander verbunden waren. Die systematische Beobachtung und Berechnung des Himmels bildete dabei nicht nur eine Grundlage astrologischer Vorhersagen, sondern trug zugleich zur Entwicklung früher wissenschaftlicher Denkweisen bei.
Gerade für astrologisch Interessierte bietet die Ausstellung einen faszinierenden Einblick in jene Zeit, in der viele Grundlagen entstanden, die die astrologische Tradition bis heute prägen.
© Birgit von Borstel – Traditionelle Astrologie Akademie


